15.03.2021

Freiwilligenarbeit

Engagiert: Samuel Zschokke, Begabungs-Förderer

In drei von vier Fällen sind es Lehrpersonen, die unsere Teilnehmenden auf die Wissenschafts-Olympiaden aufmerksam machen. Ohne Lehrerinnen und Lehrer, die begabte Jugendliche ermutigen und fördern, gäbe es die Wissenschafts-Olympiaden nicht. Wir haben einen von ihnen getroffen: Samuel Zschokke, Biologielehrer am Gymnasium Oberwil.

"Ich freue mich sehr über gute Leistungen der Schülerinnen und Schüler", sagt der Biologie-Lehrer Samuel Zschokke. (Bilder: Claudia Christen)

Seit 2009 unterrichtet Samuel Zschokke am Gymnasium Oberwil. (Bilder: Claudia Christen)

Herr Zschokke, worin besteht Ihr Engagement im Bereich der Begabungsförderung am Gymnasium Oberwil?

 

Ich unterstütze Schülerinnen und Schüler bei ihrer Teilnahme am Wettbewerb von Schweizer Jugend Forscht und bei der Biologie-Olympiade.

 

Wie kamen Sie dazu, sich in diesem Bereich zu engagieren?

 

Ich kam durch meine Tätigkeit an der Uni Basel dazu, 2012 und 2017 als Experte bei Schweizer Jugend forscht zu wirken. SJf sucht für jede Maturaarbeit, die präsentiert wird, einen Experten oder eine Expertin, der oder die sich mit dem Thema der Maturaarbeit auskennt. Zudem entscheiden die Expertinnen und Experten einer Fachgruppe zusammen mit der Fachgruppenleitung, welche Arbeiten für den Final zugelassen werden. Später begann ich mich auch für die Biologie-Olympiade zu engagieren.

 

Samuel Zschokke ist seit 2009 Biologielehrer am Gymnasium Oberwil (BL). Dort engagiert er sich seit etwa fünf Jahren in der Begabungsförderung.

 

Wie stehen Sie Schülerinnen und Schüler konkret bei der Teilnahme an der Biologie-Olympiade bei?

Meine erste Aufgabe besteht darin, die Jugendlichen über das Angebot zu informieren. Ich mache Werbung, damit möglichst alle Interessierten auch tatsächlich teilnehmen. Ich erkläre den Klassen in den entsprechenden Jahrgängen genau, worum es sich bei der Biologie-Olympiade handelt und wie die Qualifikation abläuft. Danach hoffe ich, dass es sie packt, denn engagieren müssen sie sich selbst! Die Schülerinnen und Schüler machen ja viel mehr als ich als Lehrperson. Diejenigen, die weit kommen, büffeln. Das merke ich im Unterricht, weil sie dann schon sehr viel mehr Wissen mitbringen.

 

Ich gebe auch Tipps zu Prüfungsstrategien. Zum Beispiel, dass es ganz normal ist, nicht alle Fragen beantworten zu können. Die Schülerinnen und Schüler sollen ja nicht den Mut verlieren.

 

Meine letzte Aufgabe ist die der Prüfungsaufsicht: Ich sitze jeweils zweimal 90 Minuten im Zimmer, während die Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit den ersten Test der Biologie-Olympiade lösen. Mit meinen Biologie-Schwerpunktklassen führe ich diese Prüfung jeweils als Teil des normalen Unterrichts durch.

 

Ich erkläre den Klassen in den entsprechenden Jahrgängen genau, worum es sich bei der Biologie-Olympiade handelt und wie die Qualifikation abläuft. Danach hoffe ich, dass es sie packt, denn engagieren müssen sie sich selbst!

 

Also quasi eine ‘Zwangsförderung’?

(Lacht) Ja, in meinen Schwerpunktklassen müssen alle die erste Runde machen. Leider gibt es dann manchmal Schülerinnen und Schüler, die sich qualifizieren, aber nicht weitermachen wollen, da es sie nicht interessiert. Das ist vielleicht der Nachteil einer “obligatorischen” Teilnahme. Ich hatte sogar einmal einen Schüler, der sich für den Final qualifiziert hatte, und dann nicht teilnahm. Das gibt's. Andererseits nehmen dadurch auch Schülerinnen und Schüler an der Olympiade teil, die sich die Teilnahme sonst nicht zugemutet hätten.

 

"Schlussendlich müssen die Schüler selbst die Motivation haben. Ich gebe nur den Anstoss", sagt Samuel Zschokke.

 

Und wie sieht Ihr Engagement bei Schweizer Jugend forscht aus?

Jeweils Im Sommer erinnern wir unsere Kolleginnen und Kollegen an den nationalen Wettbewerb. So können sie auf Schülerinnen und Schüler zugehen, die eine sehr gute Maturaarbeit verfasst haben und Lust haben, beim Wettbewerb mitzumachen. Ich engagiere mich beim nationalen Wettbewerb von SJF als Experte, daher weiss ich, welche Maturaarbeiten gut ankommen und welche nicht.  So habe ich schon mehrfach Arbeiten vorgeschlagen und Jugendliche betreut.

Auch hier müssen die Schülerinnen und Schüler natürlich wollen. Ich kann vor allem unterstützen und beraten. Wenn man am Schluss am nationalen Wettbewerb all die interessanten Arbeiten bestaunen kann, dann ist das eine tolle Sache!

 

Sind Ihnen gewisse Jugendliche, die Sie gefördert haben, besonders in Erinnerung geblieben?

Wir hatten vor einiger Zeit einen sehr motivierten und leistungsstarken Schüler, der drei Monate lang Forscherluft schnuppern durfte im Labor seines Onkels in den USA. Danach hatte er mich gebeten, seine Maturaarbeit zu betreuen: Beim Projekt ging es darum, die embryonale Entwicklung des Zebrafisches besser zu verstehen. Vor zwei Jahren betreute ich einen Schüler, der sich für die Internationale Biologie-Olympiade qualifiziert hatte. Ich bekam mit, wie intensiv er sich dafür vorbereitete. Die Schülerinnen und Schüler leisten in Bezug auf die Wettbewerbe viel mehr als wir Lehrpersonen. Wir informieren und motivieren lediglich. Der Nachteil ihres Engagements kommt für derart motivierte Schüler im Unterricht zum Vorschein: Ich kann ihnen nicht mehr viel beibringen. Der Stoff für die Matura ist schon vollständig vorhanden.

Engagiert, die Zahl: 4 Kantone gehören zum “Bildungsraum Nordwestschweiz": Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn. Sie haben sich bereit erklärt, gemeinsam an ihren Zielen für die Bildung zu arbeiten. Ein Schwerpunkt des Bildungsraums Nordwestschweiz für die Mittelschulen ist die Begabungsförderung. Koordinatorinnen und Koordinatoren setzen sich an den Gymnasien für die Begabungsförderung ein und informieren über Angebote wie Wettbewerbe, Freifächer, Schülerstudium und vieles mehr. Auch das Gymnasium Oberwil ist Teil des Bildungsraums Nordwestschweiz.

 

Was motiviert Sie?

Ich freue mich sehr über gute Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Es ist einfach schön zuzusehen, wenn junge Menschen motiviert bei Wissenschafts-Wettbewerben mitmachen. Letztes Jahr zum Beispiel schaffte es einer meiner Schüler in den Final der Biologie-Olympiade, zusammen mit zwei weiteren Schülern des Gymnasiums Oberwil. Ich fuhr nach Bern, um bei der Preisverleihung dabei zu sein und den Jugendlichen zu gratulieren.  Es macht mich glücklich, wenn die Schülerinnen und Schüler gut abschneiden. Es ist also ein Geben und Nehmen.

 

Ich denke auch, dass es wertvoll ist für die Schülerinnen und Schüler, dass sie Wissenschaftler und Expertinnen kennenlernen. Ich kenne mich ja nicht in jedem Gebiet aus, und gerade wenn begabte Jugendliche ein besonders spezifisches Thema für ihre Maturaarbeit wählen, kann ich sie fachlich nicht immer optimal betreuen. Dank den Expertinnen und Experten bei Schweizer Jugend forscht werden sie noch besser gefördert. In solchen Situationen erkenne ich die Freude der Schülerinnen und Schüler, was mich wiederum selbst sehr erfüllt.

 

 

Serie "Engagiert" 380 Volunteers arbeiten mit viel Herzblut für die neun Wissenschafts-Olympiaden - ganz unentgeltlich. Was bedeutet freiwilliges Engagement konkret? Darüber sprechen wir mit engagierten Teilnehmenden, Lehrpersonen, Wissenschaftler*innen und anderen Menschen aus dem Umfeld der Wissenschafts-Olympiaden.

 

Über die Autorin: Dr.Cora Olpe forscht als Postdoc an der Universität Zürich, wo sie in der Gruppe von Professor Sebastian Jessberger die Stammzellen im Gehirn untersucht. Vor etwas über 10 Jahren gewann sie die Schweizer Biologie-Olympiade und holte in Südkorea eine Bronzemedaille. Danach studierte und doktorierte sie in Cambridge (UK). Cora liegt die Förderung des Forschungs-Nachwuchses sehr am Herzen, daher engagiert sie sich freiwillig im Redaktionsteam der Wissenschafts-Olympiade.

 

 

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