Barrierefreie Wissenschafts-Olympiaden

Anlaufstelle für Jugendliche

Benötigst du Unterstützung für deine Teilnahme bei einer der Wissenschafts-Olympiaden aufgrund einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung, Behinderung oder chronischen Krankheit? 

 

Konkrete Unterstützung

Mit diesen Massnahmen oder Nachteilsausgleichen können wir Jugendliche mit einer Beeinträchtigung unterstützen. 

 

Grundlagen

Bei der Ausarbeitung von unterstützenden Massnahmen orientieren wir uns an den Empfehlungen für Schweizer Gymnasien zur Vergabe von Nachteilsausgleichen. 

Anlaufstelle für Jugendliche

Die Geschäftsstelle der Wissenschafts-Olympiade kann die Triagefunktion zwischen den Teilnehmenden und den Olympiaden übernehmen. Wir nehmen die Bedürfnisse und Anfragen von Jugendlichen mit einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung, Behinderung oder chronischen Krankheit entgegen und klären mit den jeweiligen Olympiaden ab, inwiefern eine faire Teilnahme möglich ist. 

 

Kontakt: Xénia Villiers, Responsable Romandie, x.villiers(at)olympiad.ch, 031 511 52 58

 

Konkrete Unterstützung

Wir geben keine Musterlösungen vor, sondern suchen im Austausch mit den Jugendlichen und den entsprechenden Olympiaden nach individuellen Lösungen. Die Jugendlichen kennen sich und ihre Möglichkeiten am besten. Hilfreiche Unterstützung könnte beispielsweise so aussehen:

 

 

Lese- und Rechtschreibstörung (LRS)

Jugendliche mit einer Lese- und Rechtschreibstörung haben Schwierigkeiten in der Wahrnehmung, Verarbeitung und Wiedergabe von mündlicher und schriftlicher Sprache.

 

Hilfreiche Unterstützung:

  • Unterricht visualisieren: Präsentationen in grosser und klarer Schrift mit vielen Bildern und Graphiken
  • Serifenlose Schriftarten wie bspw. OpenDyslexic verwenden
  • Erklärvideos mit Ton abspielen
  • Zeitzuschlag bei Prüfungen erlauben
  • Genügend Abwechslung und Pausen einlegen, um der Ermüdung vorzubeugen
  • Wahl eines geeigneten Sitzplatzes

Sehbeeinträchtigung

Betroffene Jugendliche sind in der Möglichkeit des Lernprozesses und der Wissensaufnahme eingeschränkt, da diese stark durch visuelle Wahrnehmung beeinflusst sind.


Hilfreiche Unterstützung:

  • Zeitzuschlag bei Prüfungen erlauben
  • Hilfsinstrumente wie spezifische Lampen, Lupen, Reader, Audio
  • Texte und Darstellungen vergrössern, Inhalte farblich differenziert darstellen
  • Wahl des geeigneten Sitzplatzes
  • Wege im Raum freihalten
  • Günstige Licht- und Beleuchtungsverhältnisse schaffen (kein Gegenlicht)
  • Erklärvideos mit Ton abspielen
  • Wandtafel vor Gebrauch sauber wischen
  • Laptop einsetzen
  • Assistenzperson bestimmen
  • Genügend Abwechslung und Pausen einlegen, um der Ermüdung vorzubeugen

Hörbeeinträchtigung

Hörbeeinträchtigungen oder Hörbehinderungen sind alle Formen der Funktionsbeeinträchtigung des Hörsystems, das heisst das äussere Ohr, das Mittelohr oder das Innenohr. Die Beeinträchtigungen können starke oder weniger starke Auswirkungen auf die Kommunikation haben.

 

Hilfreiche Unterstützung:

  • Ruhige Umgebung schaffen (Fenster & Türen schliessen, keine Nebengeräusche)
  • Deutlich und laut sprechen
  • Genügend Abwechslung und Pausen einlegen, um der Ermüdung vorzubeugen
  • Unterricht, Informationen und Instruktionen visualisieren und verschriftlichen
  • Kleine Gruppen bilden
  • Wahl des geeigneten Sitzplatzes

Körperbehinderung

Unter dem groben Überbegriff einer Körperhinderungen versteht man verschiedene Behinderungsarten, bei denen das Nerven- beziehungsweise Muskelsystem geschädigt ist. Die Auswirkungen sind je nach Symptomatik sehr unterschiedlich.

 

Hilfreiche Unterstützung:

  • Transport organisieren
  • Infrastruktur von Gebäude/Räumlichkeiten im Voraus abklären
  • Assistenzperson bestimmen
  • Arbeitsplatz anpassen
  • Einsatz des Laptops erlauben
  • Genügend Abwechslung und Pausen einlegen, um der Ermüdung vorzubeugen

AD(H)S

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung und die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung sind gekennzeichnet durch die Schwierigkeit, längere Zeit aufmerksam und fokussiert zu bleiben und Aufgaben zu Ende zu lösen.

 

Hilfreiche Unterstützung:

  • Wahl des geeigneten Sitzplatzes
  • Arbeitsplatz anpassen
  • Eigener Arbeits- bzw. Prüfungsraum
  • Ruhige Atmosphäre schaffen
  • Genügend Abwechslung und Pausen einlegen, um der Ermüdung vorzubeugen
  • Klare Instruktionen und Regeln
  • Klare Strukturierung der Unterrichtsinhalte und Materialien
  • Visualisierung der Lerninhalte
  • Termine auch schriftlich kommunizieren
  • Bewegungsmöglichkeiten anbieten
  • Zeitzuschlag bei Prüfungen erlauben

Autismus-Spektrum-Störung

Für Jugendliche mit einer Autismus-Spektrum-Störung kann die Kommunikation und soziale Interaktion mit Schwierigkeiten verbunden sein, weshalb ein erhöhtes Bedürfnis für Struktur und Planung entsteht. 

 

Hilfreiche Unterstützung:

  • Programm und Ablauf im Voraus kommunizieren und einhalten
  • Klare Instruktionen und Regeln
  • Wahl des geeigneten Sitzplatzes
  • Arbeitsplatz anpassen
  • Eigener Arbeits- bzw. Prüfungsraum, eigenes Schlafzimmer
  • Rückzugsmöglichkeiten anbieten
  • Kleine Gruppen
  • Individuelle Pausenregelung

Psychische Krankheiten

Jugendliche, die beispielsweise an Angststörungen, Anorexie oder Depressionen leiden, sind in ihrem Erleben und Handeln eingeschränkt. 

 

Hilfreiche Unterstützung

  • Rückzugsmöglichkeiten anbieten
  • Zeitzuschlag bei Prüfungen erlauben
  • Individuelle Pausenregelung
  • Wahl des geeigneten Sitzplatzes
  • Assistenzperson bestimmen
  • Eigener Arbeits- bzw. Prüfungsraum, eigenes Schlafzimmer

Chronische Krankheiten

Chronische Krankheiten sind länger andauernde Krankheiten, welche nicht vollständig geheilt werden können (bspw. Allergiekrankheiten, Asthmaerkrankung, Epilepsien, Rheumatische Erkrankungen, Tumorerkrankungen).

 

Hilfreiche Unterstützung

  • Wahl des geeigneten Sitzplatzes
  • Assistenzperson bestimmen
  • Eigener Arbeits- bzw. Prüfungsraum, eigenes Schlafzimmer
  • Rückzugsmöglichkeiten anbieten
  • Zeitzuschlag bei Prüfungen erlauben
  • Prüfungssituation darf unterbrochen werden für Toilettengang oder therapeutische Massnahmen

Grundlagen

Was sind Nachteilsausgleiche?

Bei der Vergabe von Nachteilsausgleichen lehnen wir uns an den Empfehlungen für Schweizer Gymnasien an. Als ausserschulisches Bildungsangebot haben wir jedoch nicht dieselben zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen wie Gymnasien. Im Rahmen des Machbaren suchen wir gemeinsam mit den einzelnen Olympiaden nach angemessen und fairen Lösungen für die Teilnehmenden.

 

Nachteilsausgleiche haben das Ziel, ungerechte Ungleichheiten auszugleichen und so einen fairen Wettbewerb zu garantieren. Solche ungerechten Ungleichheiten können aufgrund von körperlichen Beeinträchtigungen, Behinderungen oder chronischen Krankheiten entstehen. Unterschiede, welche jedoch auf den Leistungen, dem Wissensstand und den Kompetenzen der Jugendlichen beruhen, erfordern keinen Nachteilsausgleich. Es geht nicht darum, am Output, wie beispielsweise an den Prüfungsresultaten etwas zu verändern, sondern an den Prüfungsmodalitäten. Des Weiteren sollen Nachteilsausgleiche keine unangemessene Privilegierung darstellen und so zu einer Benachteiligung der restlichen Teilnehmenden führen.

 

Gemäss den Empfehlungen für Gymnasien sollen Nachteilsausgleiche…

  • angemessen sein. Sie beziehen sich auf die entsprechenden Teilnehmenden und ihre spezifischen Situationen und führen nicht zu einer Privilegierung.
  • verhältnismässig sein. Die anderen Teilnehmenden sollten nicht tangiert oder eingeschränkt werden.
  • vertretbar sein. Sie sollen von allen Beteiligten mitgetragen und in angemessener Form den anderen Teilnehmenden kommuniziert werden.
  • kommunizierbar sein. Die Massnahmen sollen verständlich und präzise formuliert sein.
  • transparent sein. Betroffene und ihr Umfeld sollen bemerken, dass die Massnahmen umgesetzt werden (vgl. Studer, 2019, S. 65-66)

Nachteilsausgleiche bei den Olympiaden

Ob und welche Nachteilsausgleiche ermöglicht werden, entscheiden wir von Fall zu Fall und von Olympiade zu Olympiade. Um den spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden, gibt es keine vorgefertigten Musterlösungen. Dies bedingt jedoch, die proaktive Kommunikation der Jugendlichen, welche bei einer Olympiade teilnehmen möchten und eine spezifische Unterstützung oder einen Nachteilsausgleich wünschen.

 

Nachteilsausgleiche oder unterstützende Massnahmen können wir mündlich per Telefon oder schriftlich per Mail mit den Teilnehmenden und den entsprechenden Olympiaden vereinbaren. Falls dies die jeweilige Olympiade oder Teilnehmerin bzw. Teilnehmer wünschen, können wir das Vereinbarte auch explizit festhalten.

Kommunikation und Datenschutz

Die vereinbarten Nachteilsausgleiche und unterstützenden Massnahmen kommunizieren wir an die restlichen Teilnehmenden und involvierten Freiwilligen: Dies garantiert einen fairen und transparenten Wettbewerb und die Akzeptanz aller Beteiligten. Da es sich bei körperlichen Beeinträchtigungen, Behinderungen oder chronischen Krankheiten aber um persönliche Angaben der Teilnehmenden handelt, ist mit diesen abzuklären was in welcher Form kommuniziert werden darf. Der Datenschutz der betroffenen Personen ist auf jeden Fall zu respektieren.

Chancengerechte Bildung

Im Sinne einer chancengerechten Bildung steht das Bildungsangebot der Wissenschafts-Olympiade Jugendlichen mit einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung, Behinderung oder chronischen Krankheit offen. Wir haben das Ziel, Lern- und Prüfungssituationen möglichst barrierefrei auszugestalten und allen Jugendlichen eine faire Teilnahme zu ermöglichen. Teilnehmende sollen optimal von unserer Förderung profitieren und ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können. 

 

Dies steht im Einklang mit dem Behindertengleichstellungsgesetz:

 

Behinderung ist keine fixe Eigenschaft der Person, sondern das Ergebnis der Wechselwirkung zwischen Hindernissen in der Umwelt und vorhandenen Funktionseinschränkungen. Es ist Aufgabe und Pflicht des Staates und öffentlicher Institutionen, Benachteiligungen aufgrund einer Beeinträchtigung zu verhindern, zu verringern oder zu beseitigen. Eine Benachteiligung liegt vor, wenn Menschen mit einer Behinderung anders als Menschen ohne Behinderung behandelt oder gar schlechter gestellt werden als diese, oder wenn eine unterschiedliche Behandlung fehlt, die zur tatsächlichen Gleichstellung notwendig ist .

 

(vgl. BehiG, Art. 2)

 

Literatur und Links

Studer, M. (2019). Nachteilsausgleich im Gymnasium. Ein Handbuch für die Praxis. Wetzikon: Verlag am Tobelacker.

 

Grundlagen und FachstellenSwissuniability – Netzwerk Studium und Behinderung SchweizEidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB

 

NachteilsausgleichBeratungsangebot der Universität Bern zur Vergabe von Nachteilsausgleichen

 

TransporthilfenTixi (Betax) FahrdienstRotkreuzfahrdienst

 

SchriftdolmetscherINPro audito