24.06.2021

Volunteering

Was es bedeutet, Volunteer bei einer Wissenschafts-Olympiade zu sein

Bühne frei für unsere 350 Volunteers zum Abschluss unseres Jahresserie “Engagiert”. Wir klären, welche Sprache sie sprechen, wie alt sie sind und welchen Beruf sie haben. Auch wichtig: Ihre Aufgaben und Motivation und die Wertschätzung, die sie erhalten. Und zum Schluss die Frage, wo der Schuh drückt.

Wir haben die rund 350 Freiwilligen im Dezember 2020 zu ihrer Arbeit für die neun Wissenschafts-Olympiaden befragt. 120 Personen, also rund ein Drittel, haben die Fragen beantwortet. Die Teilnehmenden sind im Schnitt 31 Jahre alt. Zwei von drei befinden sich noch in einer Ausbildung oder folgen einer akademischen Laufbahn.

 

Die Resultate

 

 

Die Wissenschafts-Olympiaden sind tendenziell eine Bewegung junger Menschen: Zwei von drei Volunteers sind unter 30 Jahre alt, wie zum Beispiel Ivana Klasovita, Freiwillige der Informatik-Olympiade. Dennoch: Wir können auch auf die Erfahrung älterer Menschen zählen, von Lehrpersonen beispielsweise. Mehr dazu im Interview mit Volunteer und Physiklehrer Richard Heimgartner.

 

 

 

 

Die oder der typische Freiwillige spricht Deutsch. Romands und Tessinerinnen und Tessiner sind untervertreten, wenn man unsere Zahlen mit jenen der Sprachverteilung der Schweizer Bevölkerung vergleicht (Französisch 22.8%; Italienisch: 8.0 %. Quelle: BFS 2021). 


Weil wir uns als nationales Angebot sehen, stellt uns dieses Resultat vor eine Herausforderung: Wie können wir präsenter sein in der Romandie und dem Tessin? Schritt 1: In der Geschäftsstelle haben wir mit Xénia Villiers als Responsable Romandie eine Kontaktperson für die Romandie geschaffen. Weitere Ideen und Taten folgen im Rahmen unseres Projektes “Chancengerechtigkeit, Fokus Sprache”.

 

 

 

Zwei Drittel der Volunteers bewegen sich an den Unis oder Fachhochschulen, sie studieren oder doktorieren. Von dem Drittel der Volunteers, die berufstätig sind, arbeiten viele als Lehrerinnen oder Lehrer. 

 

 

 

Wer eine Wissenschafts-Olympiade organisieren will, braucht viele Hände und Köpfe. Am meisten Aufgaben fallen im Bereich des Unterrichtens und Prüfens an (Korrigieren, Unterrichten, Prüfungsaufsicht). Viel Zeit fliesst auch ins Organisieren, Übersetzen, in die Vorstandsarbeit und in die Administration und Kommunikation. Es scheinen auch einige Aufgaben dazu zu kommen, die wir in der Umfrage nicht abgefragt haben (siehe Sonstiges). 

 

 

 

Der Arbeitseinsatz eines durchschnittlichen Volunteers kommt einer 5%-Stelle gleich. Vorstandsmitglieder arbeiten durchschnittlich mehr (178 Stunden). Einzelne Personen arbeiten bis zu 800 Stunden für ihre Olympiaden. Das entspricht einer 40%-Stelle.

 

 

 

 

Spass, Austausch und Identifikation mit den Werten sind der wichtigste Motivator. Weniger im Fokus scheint bei unseren Freiwilligen der Lerneffekt zu stehen. Oder dass ihr Engagement auch ein Vorteil für ihre Karrieren, ihren Werdegang haben könnte. 

 

 

 

Die Volunteers finden, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird. In erster Linie von den Teilnehmenden und den anderen Freiwilligen. Am wenigsten genannt wurden die “Arbeitswelt/Privatwirtschaft” und die “Gesellschaft”. Vom eigenen Vorstand fühlt sich etwas mehr als die Hälfte wertgeschätzt. Vom Verband aller Wissenschafts-Olympiaden gar nur jeder Dritte Volunteer. Das gibt uns zu denken (siehe unten). 

 

Wo drücken die Schuhe der Volunteers?

Eine kurze Analyse der Umfrage, die auch offenes Feedback zuliess, zeigt, dass wir uns zu folgenden Themen Gedanken machen müssen, um die Bedingungen für die Freiwilligenarbeit zu verbessern:

  • Wertschätzung: Wie schaffen wir es, dass sich mehr Volunteers auch vom Verband und dem Vereinsvorstand wertgeschätzt fühlen?
  • Kommunikation: Wie verbessern wir die Kommunikation zwischen den verschiedenen Organisationseinheiten der Wissenschafts-Olympiaden (Vorstand Verband, Geschäftsstelle, Vorstand Vereine, Vereinsmitglieder)? 
  • Überlastung: Wie minimieren wir die Überlastung? Fast jedes fünfte Vorstandsmitglied erachtet den geleisteten Arbeitseinsatz als zu hoch (bei den übrigen Freiwilligen ist es jede/r Zwanzigste.
  • Sprachregionen: Wie gewinnen wir mehr Volunteers aus der Romandie und dem Tessin?

 

Wir freuen uns auf die weitere Arbeit zu diesen Themen. Wer genauere Zahlen zur Freiwilligenumfrage möchte, darf sich gerne bei Marco Gerber, Co-Geschäftsführer der Wissenschafts-Olympiade melden (m.gerber(at)olympiad.ch). 

 

Umfrage-Resultate: Marco Gerber; Text: Mirjam Sager; Infografiken: Claudia Christen

 

Serie "Engagiert" Was bedeutet freiwilliges Engagement konkret? Darüber haben wir im letzten Jahr wir mit engagierten Teilnehmenden, Lehrpersonen, Wissenschaftler*innen und anderen Menschen aus dem Umfeld der Wissenschafts-Olympiaden gesprochen: Richard, Freiwilliger bei der Physik-Olympiade, Nitya, Umweltaktivistin, Joel Lüthi, Wissenschafts-Kommunikator Samuel Zschokke, Begabungsförderer.

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