Let’s Talk: So gelingt die Zusammenarbeit in einem mehrsprachigen Team
Im Alltag mehr Fremdsprachen sprechen - vielleicht ist das eines deiner Ziele. Die Schweiz ist der ideale Ort dafür. In vielen Unternehmen hast du die Möglichkeit, auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder sogar auf Englisch zu arbeiten. Jérémie Aebischer, zum Beispiel, arbeitet bei unserem Partner Schweizer Jugend Forscht. Seine Muttersprache ist Französisch und er hat uns seine Tipps und Tricks für die erfolgreiche Arbeit in einem mehrsprachigen Team verraten.
[Translate to Italian:] Jérémie Aebischer ist seit 2018 für den Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend Forscht zuständig.
"Sie können mich auf Französisch ansprechen, wenn Sie möchten, aber ich werde Ihnen immer auf Deutsch antworten”, stellte Jérémie Aebischer gleich an seinem ersten Tag bei Schweizer Jugend Forscht klar. Er hatte sich vor allem für Bern als Arbeitsplatz entschieden, weil er seine Deutschkenntnisse perfektionieren wollte.
Der 34-jährige Freiburger war schon als Jugendlicher ein Fan von Fremdsprachen. Er spricht fliessend Italienisch, Deutsch und Englisch. "Ich kann nicht genau sagen, woher dieses Interesse kommt. Viele Menschen in meinem Umfeld haben eine andere Muttersprache als ich. Meine Freundin kommt aus Rumänien und meine engsten Freunde und Freundinnen kommen aus Serbien und Italien.” Für Jérémie geht es beim Sprachenlernen vor allem darum, mit einer neuen Kultur in Kontakt zu kommen.
Schon bald begann er daher, sich viersprachige Vokabelübungen auszudenken. Er teilte sein Blatt in mehrere Spalten ein, notierte sich Wörter und lernte sie auswendig. Nicht schlecht! Aber um es Jérémie nachzumachen, muss man kein Genie sein und auch nicht in einem zweisprachigen Haushalt aufgewachsen sein. Mit einer Prise Disziplin und Enthusiasmus kannst auch du dich in einem polyglotten Team zurechtfinden. Hier fünf Tipps, die Jérémie geholfen haben:
Jérémies Checkliste zur Vorbereitung auf die Arbeit in einem mehrsprachigen Umfeld
1. Auf andere zugehen
An der Uni gibt es immer Studierende aus anderen Kantonen, da muss man sich meiner Meinung nach einfach trauen, auf andere zuzugehen. Sprich die Leute aus dem Tessin an, unterhalte dich mit den Deutschschweizern, melde dich für eine Gruppe oder einen Kurs an. Kurz gesagt: Wende deine Sprachkenntnisse im Alltag an, ohne Angst davor zu haben, Fehler zu machen!
2. Chancen während des Studiums nutzen
Während meiner Schulzeit am Kollegium St. Michael hatte ich mich auf Italienisch spezialisiert. An der Universität Freiburg habe ich einen zweisprachigen Bachelor in Sport- und Bewegungswissenschaften absolviert. Während meines Master of Science in Sport- und Freizeitmanagement machte ich ein sechsmonatiges Erasmusprogramm an der University College Dublin. Parallel dazu besuchte ich Kurse am Sprachenzentrum der Universität und konnte dort Zertifikate erwerben. In der Schweiz haben wir das Glück, dass all diese Angebote relativ erschwinglich sind. Einige sind sogar in den Universitätsgebühren enthalten!
3. Lernen mit Fernsehen und Radio
Heutzutage gibt es viele Streamingplattformen. Play suisse bietet zum Beispiel kostenlosen Zugriff auf zahlreiche Filme, Serien und Dokumentationen auf Französisch, Schweizerdeutsch, Italienisch und sogar auf Rätoromanisch. Dabei lernt man auch neue Facetten der eigenen Schweizer kennen. Ich höre ausserdem täglich Radio aus der Deutschschweiz oder dem Tessin. Das ist eine etwas passive, aber effektive Methode: Man kann tagsüber im Hintergrund allerlei Sendungen laufen lassen und so das Gehirn an die Fremdsprache gewöhnen.
Der nationale Wettbewerb von Schweizer Jugend Forscht steht Jugendlichen aus der ganzen Schweiz offen, die eine Maturaarbeit, eine Lehrabschlussarbeit oder ein persönliches Projekt in einem beliebigen Fachgebiet durchgeführt haben. Dieses Jahr findet das Finale vom 21. bis 23. April an der USI-SUPSI in Lugano statt. Unter den 117 Finalistinnen und Finalisten sind auch rund 20 Jugendliche, die bei den Wissenschafts-Olympiaden teilgenommen haben.
4. Zeitung lesen
Es gibt nichts Besseres, um seinen deutschen Wortschatz zu erweitern, als kurze Zeitungsartikel im 20 Minuten. Es ist nicht nötig, komplizierte Fachzeitschriften zu studieren. Wegen der Pandemie lernte ich zum Beispiel ganz viele neue Wörter rund ums Thema Gesundheit. Nur ganz zu Beginn der Krise musste ich bei Meldungen über das BAG nachfragen, um zu verstehen, worum es geht.
5. Schritt für Schritt zum eigenen Wörterbuch
Bevor ich anfing, für Schweizer Jugend Forscht zu arbeiten, besuchte ich täglich einen Intensiv-Deutschkurs. Ich war mündlich und schriftlich auf einem guten Niveau, aber am Anfang begegneten mir viele sehr spezifische Begriffe, die ich noch nicht gelernt hatte. Jeden Tag notierte ich fünf neue Wörter in einem Dokument auf meinem Computer. Nicht mehr, das kann man sich nicht merken. Wenn man dann so richtig in die Sprache eintaucht, mit Meetings und Teaminteraktionen auf Deutsch, verbessert man sich natürlich immer mehr.
Let's talk. Die Wissenschafts-Olympiade bringt junge Menschen aus allen Ecken der Schweiz zusammen. Sie spricht also mehr als drei Sprachen. Wie funktioniert das? Ist der Röstigraben ein Mythos oder eine Realität? Und: Wie reden eigentlich die Wissenschaften? Und was sagt unser Körper? In unserer Serie “Let’s talk” lernst du viele Facetten des Themas “Sprache” kennen. Eine tolle Art, die neuste Wissenschafts-Olympiade in der Schweiz zu begrüssen: die Linguistik-Olympiade!