10.09.2025

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So fördern wir: Die Alte Kantonsschule Aarau

Wo Einstein einst die Matura gemacht hat, brennt heute das olympische Feuer. Die Alte Kanti in Aarau hat zwischen 2017 und 2024 sechsmal den Schulpreis der Wissenschafts-Olympiade gewonnen. Von keiner anderen Schule nehmen so viele Schüler*innen so erfolgreich an den elf Wettbewerben teil. Schüler, Lehrpersonen und der Rektor der Alten Kantonsschule Aarau erklären, was dahintersteckt.

Quelle: Marianne Deppeler.

Im Gespräch: Andreas Hunziker (Rektor), Martina Vàzquez (Koordinatorin Begabtenförderung und Informatiklehrerin), Veronika Potykanowicz (Wirtschaftslehrerin), Carmen Thurnherr (Geographielehrerin), Christoph Wullschleger (Chemielehrer), Michael Kappeler (Biologielehrer), Ursus Wigger (Alumnus, Informatik-Olympiade), Benjamin Meyer (Schüler, Biologie-Olympiade). Fragen und Protokoll: Lara Gafner (Wissenschafts-Olympiade).

 

Ursus, Sie haben jahrelang erfolgreich an der Informatik-Olympiade teilgenommen. Welchen Einfluss hatte das auf Ihr Leben? 

U.W.: Einer der grössten Einflüsse war, dass ich viele Leute getroffen habe, mit denen ich immer noch befreundet bin.

Benjamin, was war das Coolste, das Sie am Finale der Biologie-Olympiade gelernt haben? 

B.M.: Alles war cool! Im Labor war es für mich tatsächlich wenig Neues, da ich schon ein Praktikum im Rahmen der Spezialabteilung NAWIMAT gemacht habe. Es war aber überraschend, wie viel man mit einem wirklich guten Binokular erkennen kann.

Benjamin Meyer (ganz links) mit Silbermedaille am Finale der Biologie-Olympiade 2025. (Quelle: Biologie-Olympiade)

Wie organisieren Sie in Ihren Fachschaften die Teilnahme an der Wissenschafts-Olympiade und die Begabtenförderung allgemein?

C.W.: Wir organisieren für interessierte Schüler*innen ein paar Abende, wo wir alte Prüfungen anschauen. Sonst ist es schwierig, denn wenn man den Stoff hat, den man für die Chemie-Olympiade braucht, ist man oft schon zu alt oder steht schon kurz vor der Matura. Wir machen das Angebot bekannt und wer Interesse hat, meldet sich.

U.W.: Bei mir war es eher andersrum. An meinem ersten Schultag hatte ich Informatik bei Frau Vàzquez. Ich konnte schon programmieren und sie hat mir empfohlen, an der Olympiade teilzunehmen. Ich hatte erst Zweifel, habe es aber dann ausprobiert. 

Ursus Wigger am Finale der Informatik-Olympiade 2024. (Quelle: Informatik-Olympiade)

B.M.: Wir wurden voll ins kalte Wasser geworfen. Eines Tages hiess es im Unterricht einfach: Wir machen jetzt die Biologie-Olympiade!

C.T.: Die Hürde ist weniger gross, wenn man sich nicht exponieren muss, um teilzunehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass schüchterne Schüler*innen eher nicht auf einen zukommen und durch die Teilnahme mit der ganzen Klasse quasi zu ihrem Glück gezwungen werden können. Die, die es ins Sommerlager in Zernez geschafft haben, waren immer hell begeistert und kamen extrem motiviert zurück. Uns kostet es ja nichts - es sind nur 20 Minuten Unterricht, die wir “opfern”. 

M.K.: In der Biologie haben wir kein “learning to the test”. Das heisst, wir bereiten nicht spezifisch auf die erste Runde der Biologie-Olympiade vor. Unsere Begabtenförderung besteht vor allem darin, dass wir externe Angebote bekannt machen. Intern habe ich aber auch schon Einzelprojekte von Schüler*innen betreut, die individuell auf mich zukamen. 

V.P.: Im Schwerpunktfach machen wir flächendeckend die erste Runde der Wirtschafts-Olympiade. Das Wichtigste ist es, dass man den Schüler*innen aufzeigt, welche Themengebiete jenseits des Lehrplans zu einem Fach gehören, um die Neugierde zu wecken, sich selbstständig zu vertiefen. Damit schafft man es eher durch die erste Runde. 

M.V.:(Koordinatorin Begabtenförderung und Informatiklehrerin): In Informatik haben wir seit ein paar Jahren einen Kurs, vor allem für die ersten Klassen. Wir vermitteln Theorie, zu der man sonst erst im Ergänzungsfach oder auch gar nicht Zugang hätte. Wir wollen auch das Netzwerk der Schüler*innen stärken, daher unterrichten auch immer wieder Ehemalige wie Ursus. Schüler*innen können auch Einzelprojekte machen, Ursus hat da mal an einer KI fürs Jassen gearbeitet.

Ursus Wigger (sitzend) mit seinen Teamkollegen an der Internationalen Informatik-Olympiade 2024 in Ägypten. (Quelle: Informatik-Olympiade)

Werden Sie von der Schulleitung in der Begabtenförderung geleitet oder unterstützt? 

V.P.: Die Wirtschafts-Olympiade gibt es seit 2018. Als wir davon erfahren haben, haben wir das gepusht und das Tolle ist, dass uns die Schulleitung unterstützt. Seit 2006/2007 machen wir auch beim Company Programme mit. Für diese Miniunternehmen braucht man Geld. Andere Schulen haben da Probleme, aber diese Hürden haben wir hier nicht. Das Coole ist, dass die Schüler*innen, die da dabei sind, ein wahnsinniges Netzwerk aufbauen können. Das ist eine Schlüsselkompetenz für die Zukunft, die man nicht durch KI ersetzen kann. Es ist eine Soft Skill, die man braucht, um erfolgreich zu sein. Ich muss wissen, wo ich nachfragen kann, wo ich andocken kann, um mein Problem zu lösen. 

A.H.: Wir haben grundsätzlich eine Ermöglichungskultur und schauen, was für Interessen schon da sind. Wenn es einen Bereich gibt, wo wir nicht so aufgestellt sind - zum Beispiel Robotik  - kann es aber auch vorkommen, dass wir das bei Neueinstellungen beachten oder Weiterbildungen anbieten.

Wie ist das Verhältnis von Förderangeboten innerhalb der Schule und externen Förderangeboten wie der Wissenschafts-Olympiade? 

A.H.: Wir haben im Aargau eine Maturitätsquote von 17 %, daher ist es eigentlich schon eine Art Begabtenförderung, überhaupt hier zu sein. Innerhalb des Gymnasiums haben wir für die besonders interessierten Schüler*innen pro Jahrgang zwei NAWIMAT-Abteilungen und zwei Immersionsabteilungen mit zweisprachiger Matura. Wer noch mehr braucht, dem stehen externe Angebote offen.

B.M.: Im NAWIMAT haben wir auch drei Wochen Zeit für ein externes Praktikum, daher ist das eigentlich auch schon eine Kombination von extern und intern. 

Begabtenförderung an der Alten Kanti: Die Alte Kanti hat nicht nur wiederholt den Schulpreis der Wissenschafts-Olympiade erhalten, sondern auch 2024 auch den LISSA-Preis für Exzellenz in der Begabungsförderung. Dahinter steckt ein Begabtenförderungkonzept, das seit 2011 weiterentwickelt wird.

Kann die Teilnahme an Begabtenförderungsprogrammen auch Druck schaffen? Ist es nicht stressig, neben der Schule auch noch an Wettbewerben teilzunehmen, zu studieren oder Einzelprojekte zu verfolgen?

B.M.: Die Vorbereitung war schon intensiv, weil bei der Biologie-Olympiade viel Wissen gefragt ist. Während der Olympiade selber hat es sich aber nicht sehr kompetitiv angefühlt. Wir haben auch viel Spiele gespielt und Spass gehabt. 

U.W.: Man spornt sich gegenseitig an. Ich denke schon, dass man ein bisschen gestresst sein muss, um auch mehr zu leisten. Bei der Olympiade gibt es halt den kompetitiven Aspekt, man kommt nur weiter, wenn man gut genug ist. Es ist aber keine negative Art von Stress, es bringt einem weiter, nicht so, wie wenn man 1600 Französischvokabeln in einer Woche lernen muss…

V.P.: Du weisst ja selber: Wenn man etwas gerne macht, findet man Zeit. Wenn du erfolgreich sein willst, musst du bereit sein, die Extrameile zu gehen. Die Kunst ist dann eher, sich zu bremsen, damit man auch noch eine Work-Life-Balance hat.

C.T.: Gerade bei der Olympiade ist es ja nicht so, dass wir die Schüler*innen dazu zwingen. Meist sind es ja solche, die im Unterricht schnell mitkommen oder sogar unterfordert sind. Das externe Angebot nimmt auch Druck von der Lehrperson, denn dem können wir fast nicht gerecht werden.

Bei der Wirtschafts-Olympiade 2025 stammten gleich vier der zwölf Finalist*innen von der Alten Kanti Aarau. (Quelle: Lara Gafner)

Wie werden Schüler*innen, die durch besondere Leistungen hervorstechen, von ihre Kolleg*innen gesehen? Haftet dem noch ein “Streber-Image” an? 

M.K.: Ich schätze die Einstellung der Schüler*innen sehr. Niemand wird schräg angeschaut, weil er oder sie zum Beispiel bei einer Wissenschafts-Olympiade mitmacht. Wenn es so eine Gruppendynamik gäbe, hätten wir kaum so eine rege Teilnahme.

B.M.: In meiner Klasse gibt es Leute, die wegen dem Ruf der Alten Kanti extra nach Aarau kommen. Das sind dann auch die, die echt interessiert und motiviert sind für die Fächer, was wiederum die Zusammensetzung der Schüler*innen beeinflusst.

A.H.: Man hört leider auch von Schüler*innen, die die Alte Kanti nicht wählen, weil sie denken, das sei zu schwierig. Doch dass wir den Ruf haben, besonders gut in den Naturwissenschaften zu sein, ist natürlich erfreulich. 

Warum sollten wir Jugendliche, die schulisch sowieso schon stark sind, noch mehr fördern? 

C.W.: Auch wenn die Ressourcen begrenzt sind, schliesst das eine das andere nicht aus. Wir dürfen nicht vergessen, dass die, die sehr gut sind, dies oft nicht nur sind, weil sie so talentiert sind, sondern weil sie auch wollen. Weil sie bereit sind, etwas zu leisten. Daher finde ich es gerechtfertigt, sie zu fördern.

C.T.: Die gehen ja beruflich oft auch in eine Richtung, die für die ganze Gesellschaft förderlich sein kann. Neue Innovationen brauchen die Besten der Besten, sonst steht der Fortschritt still. 

Gibt es auch etwas, das Sie gern machen, obwohl Sie nicht besonders gut darin sind? 

B.M.: Sezieren. Es macht mega Spass, aber danach habe ich einfach Hackfleisch auf dem Tisch. Ich weiss nicht, ob es am räumlichen Denken scheitert oder an der Fingerfertigkeit.

M.K.: Keine Chirurgenlaufbahn?

B.M.: Eher nicht. 

Benjamin Meyer seziert am Finale der Biologie-Olympiade 2025. (Quelle: Biologie-Olympiade)

Was mögen Sie an der Alten Kanti, das nichts mit Begabtenförderung zu tun hat? 

M.V.: Die Menschen machen es aus. Die Schüler*innen, das Kollegium, die Schulleitung und die Kultur, die vielleicht schon ein bisschen anders ist als an anderen Schulen. Vielleicht stimmt das “Streber-Image” schon ein bisschen - aber im positiven Sinne. 

A.H.: Einstein, der von einem rigiden deutschen Gymnasium an die Alte Kanti kam, hat einmal gesagt, dass er deren liberalen Geist sehr geschätzt habe. Diesen Geist versuchen wir alle mitzutragen. Wir wollen eine anspruchsvolle Schule mit hohen Messlatten sein, aber wir wollen auch vieles möglich machen. 

Über den Schulpreis: Bis zum Schuljahr 2024/2025 verlieh die Wissenschafts-Olympiade jährlich einen Preis an die Schule, deren Schüler*innen konsistent am zahlreichsten und erfolgreichsten an den elf Wissenschafts-Olympiaden teilnehmen. 2017 sowie jedes Jahr seit 2020 ging der Schulpreis an die Alte Kanti. 2025/2026 wird der bisherige Schulpreis eingestellt und durch einen Newcomer-Preis ersetzt. Dieser soll Schulen auszeichnen, deren Teilnahmen stark gestiegen sind, auch wenn sie noch nicht lange aktiv sind.

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