11.06.2021

Chancengerechtigkeit | Freiwilligenarbeit

5 gute Gründe für die European Girls’ Olympiad in Informatics (EGOI)

Die EGOI steht in den Startlöchern: Vom 13.-19. Juni 2021 findet der internationale Online-Programmierwettbewerb für rund 160 junge Frauen aus 40 Ländern statt. Initiiert und organisiert wird der Anlass von den Freiwilligen der Schweizer Informatik-Olympiade.
Sommerlager Informatik-Olympiade

Informatik, Spass und neue Freundinnen: Teilnehmerinnen des Sommer-Lagers der Schweizer Informatik-Olympiade. Bild: Informatik-Olympiade

2019 hat eine Arbeitsgruppe der Wissenschafts-Olympiade einen Gender-Leitfaden erarbeitet. Dieser enthält Tipps, wie der Wettbewerb möglichst gendergerecht gestaltet werden kann. Viele Empfehlungen sind für alle neun Olympiaden relevant. Jede Olympiade kann aber nach Bedarf auch eigene Massnahmen ergreifen.

 

Die Robotik-Olympiade setzt erfolgreich auf die Sensibilisierung der Lehrpersonen und vergibt gratis Material für zusätzliche Mädchen-Teams an Schulen. Die Physik-Olympiade bietet neu ein Wochenende für Physik-begeisterte Frauen an, losgelöst vom eigentlichen Wettbewerb. Bei der Mathematik-Olympiade können die besten Teilnehmerinnen auch unter sich trainieren und an der European Girls’ Mathematical Olympiad, kurz EGMO, teilnehmen. Auch die Informatik-Olympiade bietet ein Sommer-Lager für ihre Teilnehmerinnen an. Aber bis 2020 gab es noch keinen internationalen Wettbewerb für Frauen analog zur EGMO. Abwarten? Das kommt für das Team der Schweizer Informatik-Olympiade nicht in Frage: Sie rufen die EGOI ins Leben, aus fünf guten Gründen:

 

Teilnahme-Anreiz

Geprägt von der gesellschaftlichen Vorstellung, dass vor allem Männer in Informatik erfolgreich sind, trauen sich viele junge Frauen in Informatik wenig zu. Sie nehmen selten an den nationalen Informatik-Olympiaden teil. Die Hoffnung auf eine Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb hingegen kann zur Teilnahme an der Informatik-Olympiade motivieren – entgegen allen Selbstzweifeln.   

 

Austausch

Teilnehmerinnen sind bei der nationalen sowie der internationalen Informatik-Olympiade stark in der Minderheit. In der ersten Runde der Schweizer Informatik-Olympiade machen sie gerade mal 10 % aus. Die EGOI ermöglicht es, mit anderen Informatik-begeisterten Frauen in Kontakt zu kommen und zu erkennen: Ich bin kein Einzelfall.

 

 

 

"Ich finde es schade, dass Frauen stark in der Minderheit sind in vielen Bereichen der Informatik. Ich persönlich fände es bereichernd, in einem gemischten Team arbeiten zu können. Mit der EGOI wollen wir talentierte junge Frauen sichtbar machen. So können sie ein Vorbild sein in ihrem Heimatland."

Benjamin Schmid, EGOI-Organisator und Informatikstudent

 

Erfolgserlebnis

Erfolgserlebnisse haben eine motivierende Wirkung und können zukünftige Leistungen steigern. Bereits die Qualifikation für die EGOI zeigt den rund 160 Teilnehmerinnen, wie erfolgreich sie sind. Dieses Erlebnis ermutigt und kann ihnen helfen auch bei der gemischten Informatik-Olympiade vorne mitzumischen.  

 

Rollenvorbilder

Weibliche Rollenvorbilder in der Informatik sind wichtig, damit sich Teilnehmerinnen mit anderen erfolgreichen Frauen identifizieren. So können sie ihr Selbstbild als Frau in diesem Fachgebiet stärken. Das kritische Hinterfragen und Auflösen von Geschlechterstereotypen ist für alle Geschlechter eine Bereicherung: Informatik ist Sache aller Jugendlichen. 

 

 

"Ich brauchte einige ermutigende Worte meiner Eltern, um meine Selbstzweifel hinter mir zu lassen und mich für die Informatik-Olympiade anzumelden. Anlässe nur für Frauen können die Hemmschwelle senken. Ich sehe die EGOI als tolle Möglichkeit, Mädchen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen und sich gegenseitig zu unterstützen."

 

Jasmin Studer, EGOI-Teilnehmerin und Gymnasiastin

 

Nachhaltige Wirkung

Die meisten Olympiaden-Freiwilligen sind ehemalige Teilnehmende. Wer keine oder nur wenig Teilnehmerinnen hat, hat somit auch wenig weibliche Freiwillige. Anlässe wie die EGOI können diesen Teufelskreis durchbrechen. Ausserdem wird die EGOI jedes Jahr von einem anderen Land ausgerichtet werden. Dies gewährleistet eine nachhaltige Wirkung über die Schweizer Landesgrenzen hinaus.  

 

Wir hoffen, dass die nationalen und internationalen Informatik-Olympiaden irgendwann so ausgeglichen sind, dass es keine gesonderte Olympiade für Frauen mehr braucht. Bis dahin wünschen wir der Schweizer Delegation viel Erfolg und Spass an der bevorstehenden EGOI.

 

IT-Feuer: Wir freuen uns, Teil des IT-Feuers zu sein. Akteur*innen der IT-Nachwuchsförderung in der Schweiz organisieren im Vorfeld der EGOI (10. Mai – 11. Juni 2021) eine Initiative, die Workshops und Infoveranstaltungen bietet sowie spannende Frauen aus der ICT vorstellt. https://it-feuer.ch/

 

Mehr zur European Girls' Olympiad in Informatics

 

Zur Autorin: Nicole Schäfer ist Koordinatorin der Wissenschafts-Olympiade. Sie leitet das Projekt “Chancengerechte Bildung”. Nach dem Gender-Leitfaden setzt sich die Arbeitsgruppe mit Freiwilligen aus allen Olympiaden aktuell mit dem Thema Behinderung/Beeinträchtigung auseinander.

 

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