19.11.2025

| Nachhaltigkeit

Begeisterung für Technik und gesellschaftliche Wirkung

Die Hasler Stiftung fördert seit 77 Jahren gemeinnützige Projekte, um in der Schweiz Wissenschaft und Technologie zu stärken – darunter auch die Wissenschafts- Olympiade. Wir haben die Geschäftsführerin Sinja Christiani gefragt, was die Hasler Stiftung damit bewirkt.

Der von der Hasler Stiftung geförderte Informatik-Biber führt Kinder spielerisch an die Informatik heran. (Quelle: Ausbildungs- und Beratungszentrum für Informatikunterricht)

Der von der Hasler Stiftung geförderte Informatik-Biber führt Kinder spielerisch an die Informatik heran. (Quelle: Ausbildungs- und Beratungszentrum für Informatikunterricht)

Die Wissenschafts-Olympiaden werden unter anderem durch Stiftungen wie die Hasler Stiftung finanziert. Wie ist die Hasler Stiftung eigentlich entstanden? 

Die Hasler Stiftung wurde 1948 von Gustav Hasler gegründet. Er war der Eigentümer der Hasler Werke in Bern, hervorgegangen aus den Eidgenössischen Telegrafenwerkstätten. Damaliger Zweck der Stiftung war deren Weiterführung und die Unterstützung gemeinnütziger Institutionen auf dem “Gebiet der Nachrichtentechnik und verwandter Gebiete”. Seit 1948 haben sich die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) rasant entwickelt. Entsprechend wurde auch die Förderung angepasst. 

Die Hasler Stiftung unterstützt die Wissenschafts-Olympiaden seit über 15 Jahren. 2024-2026 stellt sie jährlich 70’000 Franken zur Verfügung, wovon 40’000 an Informatik und Robotik und 10’000 an Mathematik und Physik gehen. Der restliche Betrag steht dem Verband für übergeordnete Tätigkeiten zur Verfügung.

Wie wählt die Hasler Stiftung aus, welche Projekte gefördert werden? 

Heute ist die Stiftung von Firmeninteressen unabhängig. Ihr alleiniger Zweck ist es, Bildung, Forschung und Innovation in IKT zu fördern. Dazu werden vor allem die Gewinne aus dem Stiftungsvermögen verwendet. Jedes Projekt wird durch ein Expertenkomitee beurteilt. Da unsere Mittel limitiert sind, werden nur die passendsten Projekte unterstützt. Eine kleine Auswahl der jährlich circa 100 geförderten Projekte sind hier vorgestellt.

KI Challenge – Deine Idee. Deine KI! Die von der Hasler Stiftung geförderte ​KI-Challenge lädt Jugendliche ein, sich anhand eines eigenen Projekts mit Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen. Im Zentrum steht ihre Idee; die nötigen Grundlagen werden im KI-Kurs vermittelt, unterstützt von Doktorierenden der ETH. So entsteht eine Perspektive auf KI, die über reine Nutzung hinausgeht und Mitgestaltung ermöglicht: KI wird von Menschen entwickelt.

Sie haben Informatik an der Universität Zürich studiert und danach in der Privatwirtschaft gearbeitet. Was hat Sie an der Arbeit für die Hasler Stiftung gereizt? 

Ich habe in der Beratung und in der Technologieabteilung einer Versicherung unglaublich viel gelernt. Die wichtigste Lektion war, dass Technologie nur dann ihren Impact entfalten kann, wenn sie den Menschen dient und nicht zu einem Selbstzweck wird. Es reicht nicht, wenn die “Geeks” (hier zähle ich mich dazu) sich begeistern. Entsprechend hat mich die Arbeit für eine Stiftung, die sich für die Technologieentwicklung zum Wohle des Denk- und Werkplatzes Schweiz einsetzt, gereizt. Hier kommt meine Begeisterung für Technik zusammen mit der Freude, etwas mit gesellschaftlicher Wirkung zu tun. 

Sinja Christiani. (Quelle: Hasler Stiftung)

Erinnern Sie sich an ein Projekt, mit dem die Hasler Stiftung besonders viel bewirkt hat? 

Ich selbst bin erst seit Sommer 2024 bei der Stiftung – daher fehlt es noch an langjährigen persönlichen Erinnerungen. Als Stiftung sind wir aber stolz auf unser Förderprogramm Fit in IT: Es wurde 2006 lanciert, um gemeinsam mit Partnern Informatik als Grundlagenfach an den Schulen einzuführen. Die Stiftung investierte über 20 Millionen Franken und finanzierte IT-Weiterbildungen für über 100 Lehrpersonen sowie die IT-Ausbildung für angehende Lehrkräfte. Weiter wurden unter anderem Schweizer Jugend forscht oder die Informatik-Olympiade unterstützt. Das Programm erzielte grosse Wirkung: Im Lehrplan 21 wurde IT als Kompetenzziel in der Sekundarschule verankert, 2017 wurde IT Pflichtfach an Gymnasien, 2023 sogar Grundlagenfach.

Der Informatik-Biber – ein Wettbewerb für alle: Der Informatik-Biber ist ein gratis Online-Informatikwettbewerb des SVIA für alle Kinder und Jugendlichen ab der dritten Klasse, der von der Hasler Stiftung gefördert wird. Jeweils im November nehmen zehntausende Schüler*innen auf Deutsch, Französisch oder Italienisch teil. Der niederschwellige Wettbewerb mit spannenden Aufgaben zu verschiedenen Informatikthemen erfordert keine Vorkenntnisse und veranschaulicht, wie facettenreich und relevant Informatik ist.

Preisverleihung beim Informatik-Biber an der ETH Zürich. (Quelle: Ausbildungs- und Beratungszentrum für Informatikunterricht)

Im Stiftungsreport 2025 liest man, dass die Stiftungen in der Schweiz partizipativer werden möchten, mehr in Allianzen zusammenarbeiten oder auch unternehmerisch fördern, z.B. durch die Unterstützung von Startups. Ist das für Sie auch ein Thema? 

Bis 2017 hat die Hasler Stiftung auch Startups gefördert, dafür entstanden aber in der Zwischenzeit diverse weitere Förderprogramme. Uns ist es immer wichtig, eine echte Lücke zu füllen, wo es an kommerziellen und öffentlichen Geldern (noch) fehlt. Entsprechend hinterfragen wir unsere Förderpraxis regelmässig. Wir prüfen aktuell die Zusammenarbeit in Förderallianzen und die Möglichkeit von partizipativeren Formaten im Rahmen unserer Kapazitäten. So haben wir dieses Jahr zum ersten Mal gemeinsam mit einer anderen Stiftung, Mercator Schweiz, ein Förderprogramm lanciert, um stärker an der Schnittstelle zwischen Technik und Gesellschaft zu agieren.

Im Rahmen des Förderprogramms Hasler Mercator Digitalisierung & Demokratie fördert die Hasler Stiftung Projekte an der Schnittstelle zwischen Informatik und Demokratie. Die technologische Entwicklung bietet enorme Chancen für demokratische Prozesse, birgt aber auch Risiken. Dies soll erforscht und mit konkreten Lösungsansätzen beantwortet werden. Anfang des Jahres wurden Teams mit Expertise in diesem Bereich aufgefordert, ihre Projektideen bei der Hasler Stiftung einzureichen. Eins der Projekte, das in Zukunft finanziell gefördert wird, lautet “Defending Democracy: Protecting Public Voices from Online Hate". Das Projekt entwickelt digitale Werkzeuge, um Menschen zu schützen, die sich öffentlich für Demokratie einsetzen – etwa Journalist*innen, Politiker*innen oder Aktivist*innen. Mit KI-gestütztem Counterspeech, Echtzeit-Inhaltsfiltern und digitaler Rechtsauskunft sollen Betroffene gestärkt, ihre Sicherheit erhöht und die demokratische Debatte resilienter gemacht werden. Ausserdem gefördert wird das Forschungsprojekt “DEMO-AI”. KI kann durch manipulierte Inhalte das Vertrauen in Medien und demokratische Institutionen gefährden. Das Projekt DEMO-AI entwickelt interdisziplinär KI-Werkzeuge zur Analyse von Medienframing und Desinformation und Kontextualisierung in rechtliche Rahmenbedingungen. Durch die Einbindung von Öffentlichkeit und Fachleuten sollen demokratiewahrende, praxisnahe Lösungen geschaffen werden. Ein weiteres Projekt, “Ensuring Judical Consistency through AI driven Legal Reasoning”, widmet sich dem Einsatz transparenter und vertrauenswürdiger KI-Systeme in der Justiz. Zudem entsteht bei “Explainable AI for Smart Decision-Making in Swiss Referendums” eine Plattform, die Bürger*innen bei der informierten Meinungsbildung in Volksabstimmungen unterstützt – unter Einsatz erklärbarer KI und partizipativer Elemente. Ergänzt wird das Programm durch das Projekt Human Machine Interaction for Democracy, das KI-gestützte Dialogformate für kontroverse gesellschaftliche Themen entwickelt, um die Qualität demokratischer Diskurse nachhaltig zu stärken.

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