16.05.2022

Freiwilligenarbeit

Der Olympiadenversteher

Marco Gerber hat über 10 Jahre für den Verband Wissenschafts-Olympiade gearbeitet. Nun wechselt er ins Organisationsteam der Internationalen Chemie-Olympiade 2023 (Schweiz). Marco verabschiedet sich mit einem guten Gefühl vom Verband. Er denkt, dass die einzelnen Olympiaden näher zueinander gerückt sind. Und sie ein Ort bleiben, wo junge Freiwillige gemeinsam Projekte auf die Beine stellen. Auch wenn es manchmal ein Ringen ist.

2013 in Bern: Marco Gerber (2. v.r.) mit den Organistoren der Internationalen Biologie-Olympiade.

Marco, du hast zwei grosse Wissenschafts-Anlässe für Jugendliche mitorganisiert. Das war so stressig, dass du einmal ohne Socken auf der Bühne gestanden bist. Kannst du uns die Geschichte erzählen?

Genau, das war bei der Internationalen Biologie-Olympiade, die wir 2013 in Bern organisiert haben. Etwas naiv haben wir damals gedacht, dass wir das Rahmenprogramm zu zweit organisieren könnten. Im Vorfeld hat das auch gut geklappt, aber während der Olympiade selber kamen wir ins Schwitzen, auch wenn wir Hilfe von vielen guten Volunteers hatten.

 

Am Ende der Olympiade musste ich die lang ersehnte Rangliste vom Korrekturbüro im Kursaal ins Casino zur Schlussfeier bringen. Wir waren sehr spät dran und ich musste rennen - notabene in meinen Flipflops über die Kornhausbrücke! Ich sprintete ins Casino und die Zeremonie konnte beginnen. Ich zog mich zurück, um mich für die Feier in Schale zu werfen. Leider hatte ich die Socken vergessen. Und so wars dann halt ein bisschen unbequem in meinen festlichen Schuhen, die ich den ganzen Tag über tragen musste. Es gibt bestimmt noch Bilder von mir auf der Bühne mit meinen nackten Knöcheln, die damals noch nicht in waren (grinst).

 

 

"Ich rannte mit der Rangliste über die Kornhausbrücke - notabene in meinen Flipflops!"

 

Als du Ende 2011 begonnen hast, für den Verband Wissenschafts-Olympiade (WO) zu arbeiten, bestand dieser aus 5 Fach-Olympiaden. Heute sind es doppelt so viele. Wie hast du diese Veränderung mitgeprägt oder begleitet?

Von heute aus gesehen wirkt alles so logisch. 10 Olympiaden, ein breites Fächerangebot. Doch es steckt viel Arbeit dahinter, die Integration jeder neuen Olympiade in den Verband war sehr intensiv. Jede stellte uns vor neue Herausforderungen und brachte etwas Neues ein. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie gross die Fragezeichen waren, als die Philosophie-Olympiade zum Verband stossen wollte. Damals lag der Fokus sehr auf den Naturwissenschaften. Viele fragten sich: Passt die Philosophie-Olympiade zu uns? Es wurde viel diskutiert und genau das finde ich das Schöne an einem Verband: Man muss sich immer wieder neu hinterfragen: Wer sind wir, wer wollen wir sein?

 

Du hast viel mit den Freiwilligen der WO zusammengearbeitet. Zuletzt hast du den Freiwilligen-Kodex begleitet. Dabei versuchen 10 Vereine ein gemeinsames Dokument zu erstellen. Was hast du dabei über Zusammenarbeit und Freiwilligenarbeit gelernt?

Mir gefällt diese Initiative sehr und zwar aus mehreren Gründen. Einerseits, weil die Freiwilligen im Fokus stehen und die Erarbeitung sehr partizipativ ist. Und andereseits, weil der Kodex aus einem Rechts-Workshop hervorging, den wir als WO den Vereinen anboten, weil sie sich diesen wünschten. Hier kam das Thema des Freiwilligen-Kodexes auf. Ein Freiwilliger hat die Idee aufgeschnappt und den Kodex vorangetrieben.

 

Später ist er wieder auf den Verband zugekommen mit der Idee, diesen Kodex für alle Olympiaden zu machen. Das hat sehr gut funktioniert und ich wünschte mir, dass wir in Zukunft noch mehr solche Initiativen haben, wo gute Ideen aus einzelnen Olympiaden auch für die anderen Olympiaden genutzt werden können.

 

 

"Es gab auch schwierige Momente. Vor allem das Fundraising für die Grossanlässe wie die IBO und die IPhO harzte."

 

Auf welche anderen Projekte während den letzten 10 Jahren schaust du gerne zurück?

2018 hat der Verband sein Erscheinungsbild verändert: Wir haben eine Mission erarbeitet und unser Logo sowie unsere Kommunikationskanäle neu gestaltet. Es war ein Ringen um die Frage, wer wir eigentlich sind und wie wir aussehen wollen. Bestimmt hätte man in diesem Prozess vieles anders oder gar besser machen können. Aber am Schluss zählt das Resultat und damit bin ich sehr zufrieden.

 

Ich denke, der Prozess hat die verschiedenen Olympiaden näher zueinander gebracht. Der Verband wirkt auch gegen Aussen viel besser. Und dann waren natürlich die internationalen Olympiaden, die wir in der Schweiz organisieren durften, immer ein Highlight für mich. Es war sehr spannend zu sehen, wie sie organisiert werden und wie alle ein bisschen anders ticken. Es gab auch schwierige Momente. Vor allem das Fundraising für die Grossanlässe wie die IBO und die IPhO harzte und wir wussten lange nicht, ob sie überhaupt stattfinden würden. Das Internationale an den Olympiaden fasziniert mich, das Reisen und das Kennenlernen von Menschen aus aller Welt habe ich sehr geschätzt.

 

 

Die Internationale Chemie-Olympiade ist nächstes Jahr zum ersten Mal in der Schweiz zu Gast. Vom 16. bis 25. Juli 2023 treffen sich rund 300 junge Talente aus über 90 Ländern in Zürich. Sie zeigen auf dem Papier und im Labor, was sie können, knüpfen Kontakte und lernen das Gastland kennen. Zu den Organisatoren gehören neben der Schweizer Chemie-Olympiade auch die ETH Zürich und die Swiss Chemical Society. wwww.icho2023.ch

 

 

Welche Ideen hättest du gerne noch umgesetzt, die du jetzt in andere Hände weitergibst?

Das Thema Nachhaltigkeit hat mich persönlich sehr beschäftigt. Wir haben kurz an eine Umwelt-Olympiade gedacht, die Idee wurde aber nie umgesetzt, einerseits aus Ressourcenfragen, aber auch, weil das Thema nicht das zentrale Anliegen des Verbandes war. Hingegen finde ich es super, dass wir mit Dominic Schmid in der Geschäftsstelle nun eine Person haben, die sich um das Freiwilligenmanagement kümmert. Und dass wir die Stelle der Responsable Romandie geschaffen haben, damit wir in der Westschweiz noch besser Fuss fassen können.

 

Zum Schluss: Was wirst du nicht vermissen? Und was schon?

Wer mit Freiwilligen arbeitet, weiss, dass die Kommunikation nicht ganz einfach ist. Wie erreicht man die richtigen Leute mit der richtigen Info? Und kriege ich überhaupt eine Antwort? Aber die schönen Seiten an der Arbeit mit Freiwilligen überwiegen natürlich. Ich werde die Freiwilligen vermissen. Über die Jahre habe ich tolle Menschen kennengelernt, mich über Projekte und Herausforderungen ausgetauscht, aber auch über persönliche Themen.

 

Marco Gerber: war von 2014 bis 2022 Co-Geschäftsführer der Wissenschafts-Olympiade. Seit März 2022 organisiert er die Internationale Chemie-Olympiade 2023 in der Schweiz mit. Marco ist ursprünglich Biochemiker und engagiert sich als Freiwilliger beim WWF. Neue Co-Geschäftsführung: Ab Juni 2022 teilen sich Cyrille Boinay und Mirjam Sager die Geschäftsführung der Wissenschafts-Olympiade.

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