Die Veranstaltung beginnt mit einer Begrüssung durch Prof. Didier Queloz, Präsident der Marcel Benoist Stiftung und Nobelpreisträger. Sein breites Lächeln vermittelt den Anwesenden seine Begeisterung für die Wissenschaft und deren Anerkennung. Er ermutigt die Teilnehmenden, weiterhin neugierig zu bleiben und Teil des wissenschaftlichen Nachwuchses der Schweiz zu werden.
Dann ist es Zeit, das Eis zu brechen. Janosch Jörg, Servan Grüninger und Julia Knuchel von der Ideenschmiede Reatch übernehmen die Moderation der Veranstaltung.

Von links nach rechts: Julia Knuchel, Janosch Jörg und Servan Grüninger von Reatch.
Die Teilnehmenden werden in Gruppen aufgeteilt, um sich kennenzulernen, bevor sie gemeinsam Fragen an die Wissenschaftler formulieren.

Eine Stunde später ist es soweit - die Preisträgerinnen und Preisträger sind da.

Von links nach rechts: Mackenzie Mathis, Tobias Kippenberg, Saskia Stucki.
Alle drei freuen sich auf den Austausch mit den Jugendlichen, von denen die meisten an den Wettbewerben von Wissenschafts-Olympiade und Schweizer Jugend forscht teilgenommen haben. Der Kontext erinnert Tobias Kippenberg an seine Teilnahme an Jugend forscht, dem deutschen Pendant zu Schweizer Jugend forscht, wodurch er als Teenager Forschende kennenlernte und sich schliesslich für eine wissenschaftliche Laufbahn entscheid. Mackenzie Mathis hat an der Mathematik-Olympiade teilgenommen und erinnert sich noch immer mit einem Lächeln an die Erfahrung.
Der Marcel-Benoist-Preis wird jedes Jahr für herausragende Forschungsleistungen verliehen, die für die Gesellschaft insgesamt oder für das menschliche Leben von Bedeutung sind und in der Schweiz erbracht wurden. Der Preis ist mit 250 000 Franken dotiert. Der Latsis-Preis zeichnet besondere Leistungen in der Grundlagenforschung in der Schweiz aus. Er ist mit 100 000 Franken dotiert und wird an eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler mit einem akademischen Alter von bis zu 10 Jahren vergeben.
Im Gespräch mit Tobias Kippenberg
Die erste Sitzung ist die einschüchterndste, daher beschliesst Professor Kippenberg, die Anwesenden erstmal zu fragen, warum sie heute hier sind. Alle finden es interessant, direkt mit Forschenden über deren Projekte und tägliche Arbeit zu sprechen; einige hoffen, Anregungen für ihre Studien- oder Berufswahl zu erhalten. Diese Motivation bildet den roten Faden für die Gespräche an diesem Nachmittag.
Kippenberg erklärt, dass er eine eigentlich einfache Frage erforscht: Wie kann man Licht in einem winzigen Raum einfangen? Er möchte dies verstehen und dieses Wissen dann in der angewandten Forschung nutzen.
Er sagt seinen Studierenden gern, dass Wissenschaftler forschen und experimentieren, um die Grenzen des Möglichen zu erweitern. Mit anderen Worten: Sie beobachten Herausforderungen und überlegen sich dann intelligente Lösungen, um diese zu bewältigen. Manchmal werden Horizonte erweitert, ohne dass man weiss, welche Anwendungen sich daraus ergeben könnten. Er rät angehenden Forschern und Forscherinnen, entweder in der Grundlagenforschung oder in der angewandten Forschung zu arbeiten. Kippenberg erklärt, eine Arbeit die weder auf die eine noch auf die andere dieser beiden Forschungsarten fokussiert nach vielen Jahren zu nichts führen kann, sei es in der Grundlagenforschung oder in der angewandten Forschung.
Unter den vielen Menschen, die ihn inspiriert haben, nennt der Preisträger Andre Geim, einen russischen Physiker, der 2000 den Ig-Nobelpreis und 2010 den Nobelpreis erhielt. Von ihm lernte er Folgendes: Verlassen Sie ausgetretene Pfade, probieren Sie Dinge aus, auch wenn es nicht genau das ist, was Sie sich vorgestellt haben – sei es, weil Sie nicht das beobachten, was Sie erwartet haben, oder weil Sie nicht verstehen, was Sie vor sich sehen. Eine weitere Referenz ist Peter Gruber, ein österreichischer Physiker, der sich trotz des Unverständnisses seiner Kollegen entschlossen hat, in einem wenig bekannten Teilgebiet der Physik zu arbeiten. Einige Jahre später gründete er auf der Grundlage seiner Forschungsergebnisse ein Unternehmen für Computerhardware.

Im Gespräch mit Mackenzie Mathis
Die Frage nach der Zukunft zieht sich wie ein roter Faden durch diese Sitzung. Das Treffen beginnt mit einer Zusammenfassung der Ziele und Forschungsmethoden des Teams von Mackenzie Mathis. Das Ziel: beschädigte Muskeln steuern. Der Ansatz: Reverse Engineering. Ausgehend von der Kartografie der Muskeln sollen die neuronalen Netzwerke des Gehirns nachgebildet werden.
Sowohl der Ansatz als auch die verwendeten Werkzeuge sind faszinierend, und es ist nicht verwunderlich, dass jemand fragt, wie Mathis ihr eigenes Werkzeug entwickelt hat. Die Antwort hingegen ist überraschend: „Wir wissen es gar nicht so genau.“ Es ist vielmehr der Mut, zu entdecken, zu lehren, zu testen, nach Lösungen zu suchen und durch Ausprobieren voranzukommen, bis man weiss, welche Variablen wichtig sind und welche nicht. Irgendwann gab es eine Struktur, die sie nutzen und anpassen konnte. Die Fragen ändern sich ständig, und sie liebt es, ihnen nachzugehen. So hat sie beispielsweise für ihre Forschung Programmieren gelernt und musste dafür Zeit und Energie aufwenden. Die Wissenschaftlerin erinnert sich an die Frustration, nicht zu wissen, wie sie das tun sollte, was sie tun wollte, und zu denken, dass sie es eigentlich wissen müsste. Ihrer Erfahrung nach gewöhnt man sich allmählich an dieses Gefühl und akzeptiert diesen Lernprozess.
Auf die Frage, ob sich durch den Erhalt des Latsis-Preises 2024 etwas verändert habe, antwortet sie, dass sich ihr Publikum leicht verändert habe; sie wurde von medizinischen Gesellschaften eingeladen, ihre Forschungsergebnisse vorzustellen, und ist nun an weiteren medizinischen Forschungsprojekten beteiligt. Sie sieht ein Potenzial für Kooperationen, das sie freut, da es zuverlässige Technologien gibt, die die Diagnosestellung erleichtern würden.

Im Gespräch mit Saskia Stucki
Diese Sitzung unterscheidet sich von den anderen. Saskia Stucki schlägt den Teilnehmern vor, alle Fragen zu stellen, die sie möchten; sie verpflichtet sich, diese ehrlich zu beantworten, dabei jedoch ihre Privatsphäre zu wahren, unter der Voraussetzung, dass das Besprochene nicht aus dem Raum gelangt. Der Vorschlag wird angenommen.

Tipps zum Abschluss des Tages
Zu verschiedenen Zeitpunkten des Workshops betonten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den kooperativen und kreativen Charakter der Forschung. Sie schätzen es, Studierende zu unterrichten und von ihnen zu lernen, zu sehen, dass diese ohne vorgefasste Meinungen kommen und Kreativität zeigen. Bei Grossprojekten entstehen lokale und internationale Kooperationen, die wissenschaftlichen Teams erneuern sich ständig, sodass ein kontinuierlicher Wissenstransfer stattfindet. Dies regt dazu an, sich für andere Bereiche oder Ansätze zu interessieren.
Die drei fordern die Jugendlichen auf, sich an die Grenzen ihrer Lieblingsbereiche heranzuwagen, da dies zu neuen Wegen führt und interdisziplinäres Arbeiten ermöglicht. Die Frustrationen werden durch das Gelernte überwunden. Wichtig ist, sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen, selbstständig zu denken und das zu tun, was uns interessiert. Man muss herausfinden, was einem gefällt, und sich darauf einlassen.
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Die Veranstaltung endet mit einem mehrsprachigen Apéro mit Blick auf die Berner Alpen. Am nächsten Tag nehmen die Jugendlichen an der jährlichen Verleihung des Marcel-Benoist-Preises und des Latsis-Preises unter der Bundeshauskuppel teil, wo auch die früheren Preisträger Pascal Gygax und Lesya Shchutska anwesend sein werden.
Die Marcel-Benoist-Stiftung dankt den Organisationen Schweizer Olympiaden, Schweizer Jugend forscht und Reatch für die Zusammenarbeit, sowie der französischen Botschaft in der Schweiz und Liechtenstein für die finanzielle Unterstützung dieser Veranstaltung.