11.04.2023

Reisen

Sonderpreis – Tagebuch – Sinan Deveci

Von einer Maturaarbeit zur Einladung an die Nobelpreisverleihung: Entdecke die Reise von Sinan Deveci, Teilnehmer von Schweizer Jugend forscht. Sinan hat auch bei der Linguistik-Olympiade mitgemacht und engagiert sich als Volunteer.

Teilnehmer/innen, Verleihung des Nobelpreises. Bild: SJF

Beschreibe den Moment, in dem du den Sonderpreis erhalten hast. Wie hast du dich gefühlt?

“Sonderpreis Metrohm – Stockholm International Youth Science Seminar”. Diese Worte las ich, als mein Name aufgerufen wurde und ich über die Bühne der Aula Magna schritt. Ich verbarg meine Riesenfreude in einem Lächeln und setzte meinen Gang fort, um mich zu meinen Kollegen aus der Fachgruppe Mathematik/Informatik zu gesellen. Beim auf die Preisverleihung folgenden Apéro wich meine Freude der Realisierung, was diese Worte bedeuten. Ich wurde an die Nobelpreisverleihung eingeladen!  

Wie hast du dich auf deine Reise/dein Praktikum/Anlass vorbereitet?

Drei Wochen später erhielt ich eine Email mit Instruktionen, was bis zum Seminar im Dezember noch getan werden musste. Wie schon im Rahmen des Nationalen Wettbewerbes erstellte ich Poster, Abstract und ein kurzes Video, in dem ich meine Arbeit erkläre. Ebenfalls musste ich meine Arbeit hochladen. Dank meinem sehr hilfsbereiten Betreuer, der mich zwischen Halbfinal und Final beim Verbessern meiner Arbeit unterstützt hat, musste ich sie gar nicht mehr anpassen. Zum Glück habe ich sie bereits von Anfang an auf Englisch geschrieben, so musste ich nichts mehr übersetzen!  

Das Organisationsteam schaltete vor dem Seminar unsere eingeschickten Materialien auf ihrer Website https://ungaforskare.se/siyss/siyss2022/ auf. Es war faszinierend, durchzulesen, in welche Gebiete diese mir damals noch unbekannten Leute vorgedrungen waren. Ich konnte es kaum erwarten, mich mit ihnen auszutauschen.

Im Flugzeug habe ich mir dann die häufigsten schwedischen Wörter angeschaut, was eine sehr gute Idee war, da ich dann in Stockholm immensen Spass daran hatte, verschiedene Schilder und Aufschriften zu entziffern.

Was war der erste Austausch während deiner Reise/deines Praktikums?

Die erste Frage war typischerweise «Was ist dein Fachgebiet?» Am Flughafen Stockholm Arlanda trafen wir auf Teilnehmerinnen von Singapur und Südafrika, die Physik beziehungsweise Veterinärmedizin studieren. Wobei es in Südafrika «veterinary sciences» heisst. So wurden zuerst die Kurrikula verglichen – Rebecca studiert nämlich auch Tiermedizin. Danach im Zug Richtung Zentrum Stockholm sprachen wir hauptsächlich über unser Leben und Besonderheiten unserer Länder. Das ist super bei so Events: Man hat sofort ein Gesprächsthema, will die Geschichte erfahren, die zur Teilnahme führte und die fremde mit der eigenen Kultur vergleichen.

 

“Sonderpreis Metrohm – Stockholm International Youth Science Seminar” (...) Beim auf die Preisverleihung folgenden Apéro wich meine Freude der Realisierung, was diese Worte bedeuten. Ich wurde an die Nobelpreisverleihung eingeladen! 

 

Wer war die erste Person, die du während deiner Reise/deines Praktikums getroffen hast? Wie hat dich dieser Moment beeindruckt?

Das SIYSS begann, wie jede wissenschaftliche Konferenz beginnen muss – Wir verirren uns im Flughafen. Nachdem Rebecca und ich die Teilnehmerinnen aus Singapur und Südafrika getroffen hatten (wir kamen ungefähr zur gleichen Zeit in Stockholm an), mussten wir einen Zug nehmen, der uns zu unserer Unterkunft führen sollte. Natürlich gingen wir zu den falschen Gleisen innerhalb des Flughafens, und warteten so eine Weile vergeblich, bis wir unseren Irrtum bemerkten. Nachdem wir das richtige Perron gefunden und später eingecheckt hatten, war es Zeit für die Willkommenszeremonie. Wir stellten alle unsere Länder vor. So lernten wir die anderen Teilnehmer und deren Kulturen kennen. Wir erfuhren unter anderem, dass Dänemarks höchstes Gebäude ein Krankenhaus ist und dass man bloss etwas mehr als einen Tag braucht, um Singapur zu Fuss zu umrunden.

 

Gruppenbild, Nobelpreisverleihung. Bild: SJF

Gibt es eine ungewöhnliche Anekdote, die du uns erzählen möchtest?

Ich erfuhr wieder einmal, wie klein die Welt doch ist. So kannten drei Teilnehmer ihre Landsleute, die mit mir 5 Monate zuvor am ISTF waren! Ausserdem kannte eine amerikanische Informatikerin einen meiner Kommilitonen an der ETH von einem Forschungspraktikum.

Was also war die Mission, die du während deines Aufenthalts erreichen wolltest? Was hast du getan, um sie zu erreichen?

Neben dem einzigartigen Erlebnis, so viele Nobel Events besuchen zu dürfen, freute ich mich besonders auf etwas: die Leute. Ich wollte möglichst viele interessante Jungwissenschaftler aus aller Welt kennenlernen, die meine Leidenschaft teilen, ganz egal, in welchem Gebiet diese hervortritt. Da wir nur 23 Teilnehmer waren und eine ganze Woche Zeit hatten, konnten wir uns mit allen anfreunden. Weil wir die Präsentationen und Diskussion bereits am Anfang gehabt hatten, konnten wir uns den Rest der Woche neben dem intensiven Programm ganz unseren Konversationen widmen, ohne stets unseren Auftritt im Hinterkopf zu haben.

 

 

So erhielt ich die einzigartige Möglichkeit, meine eigene Forschung im Nobelpreismuseum vorzutragen!

 

Wie stellst du dir die Nobelpreisverleihung vor?

Für mich war bereits die riesige, voll besetze Konzerthalle überwältigt. Auf den Sitzen sassen Frauen mit Kleidern in allen Farben, die Männer trugen einen Tailcoat, ein spezieller Frack, der mit weisser Fliege getragen wird und nur noch in Skandinavien Verwendung findet. Die Nichtskandinavier mussten einen mieten.

Musik dröhnte durch die Luft, danach ging nach eröffnenden Reden der Ablauf los, worin die Preisträger einzeln ihre Medaille vom König von Schweden erhielten, unter Beifall des Publikums. Dazu standen wir jeweils synchron auf, was für eine eindrucksvolle Geräuschskulisse sorgte.

Das anschliessende Nobel Dinner war etwas skurril. Gleichzeitig fand nämlich das Nobel Banquet statt, wo die Preisträger, Königsfamilie und andere wichtige Leute speisten. Im Restaurant, wo wir waren, gab es einen Fernseher, in welchem das Banquet live übertragen wurde. Uns wurde genau das gleiche Essen wie ihnen aufgetischt, zum gleichen Zeitpunkt. Die Kellner kamen zu unserem Tisch und warteten dann mit Blick gen Fernseher darauf, dass beim Banquet serviert wurde, bis sie uns unsere Teller gaben. Das Essen war sehr lecker und schön zubereitet.

Die ersten nicht Nobel-Sachen, die mit Schweden assoziiert werden, sind wohl seine Kälte und Elche. Auch diese durften wir erleben. Auf dem Programm war ein Ausflug nach Skansen, wo es ein Zoo/Museum-Hybrid gibt. Dort bewunderten wir den Stil, in welchem die alten Häuser gebaut wurden, sahen den ersten Vielfrass in unserem Leben – leider war er zusammengerollt am Schlafen – und fanden auch eine Elchdame.

Als wir am zweiten Tag die Altstadt Gamla stan erkundigten, wurden wir mit den nordischen Temperaturen konfrontiert. Erfreulicherweise legten wir einen Abstecher bei einem Café ein, wo mich eine varm choklad – heisse, warme, Schokolade aufwärmte. Ausserdem besuchten wir eine Lebkuchenausstellungen, wo sowohl Schulkinder als auch Architekten mit viel Einfallsreichtum und Präzision Lebkuchenhäuser bauten. Und wir gingen Schlittschuhlaufen! Das ist auf der ganzen Welt ein Riesenspass. Im Gegensatz zum Weihnachtsbaum der Dolder Eisbahn drehten wir unsere Kreise hier um eine Statue herum. Meine erste Reise nach Skandinavien wird mir immer wohlig, und kalt!, in Erinnerung bleiben.

Musstest du deine Arbeit vor einem Publikum präsentieren oder sonst einen aktiven Beitrag leisten, wie hast du dich dabei gefühlt?

Das Seminar war so organisiert, dass die eine Hälfte der 23 internationalen Teilnehmern ihre Arbeiten präsentierten und die andere Hälfte an einer Panel discussion teilnahmen, in der sie zusammen mit dem Chemie-Nobelpreisträger 2021 David McMillan alle möglichen Themen besprachen. Ich wurde der Präsentationsgruppe zugeteilt. So erhielt ich die einzigartige Möglichkeit, meine eigene Forschung im Nobelpreismuseum vorzutragen! Es war ziemlich surreal, im gleichen Gebäude, in dem das Doppelhelixmodell von Watson und Crick, die Radiumwaage von Marie Curie und Briefe von Einstein stehen, als Neunzehnjähriger meine Gedankengänge zu erläutern. Mir war also schon etwas mulmig zumute. Als ich dann aber zu reden begann, verschwand die Nervosität, zumal ich ja wusste, wovon ich erzählte, da es meine Arbeit war. Ausserdem halfen meine bisherigen Präsentationen dabei, mich daran zu gewöhnen – so beispielsweise das International Swiss Talent Forum, welches ich sehr empfehlen kann ;-)

Die Vorträge wurden aufgezeichnet und an schwedische Gymnasien verschickt, welche uns dann per Email Fragen stellten. Diese beantworteten wir während eines gemeinsamen Abendessens. Es war eine super Atmosphäre, in einem lockeren Umfeld zum Teil sehr elaborierte Antworten zu hören.

Wie hast du diese Herausforderung gemeistert? Welchen Plan hast du geschmiedet und wie lautet die Auflösung deiner Geschichte?

Da ich noch frisch vom Vortrag im Nobelpreismuseum war, trug ich meine Arbeit zwei Tage nach meiner Rückkehr noch am «Zurich Undergraduate Colloquium in Mathematics and Physics» an der ETH vor. Es tat gut, einmal 45 Minuten Zeit zu haben, um etwas in die Tiefe gehen zu können. Da schloss die lange Reise ab, auf die mich meine Maturaarbeit schickte.

 

Es war ein einzigartiges Erlebnis, der Nobelpreiszeremonie und den restlichen Anlässen beizuwohnen. Was ich aber am meisten mitnehme, sind die Freundschaften, die ich geschlossen habe.

 

Was sind deine "Gewinne", was hast du aus dieser Erfahrung gelernt?

Ich blicke sehr zufrieden und etwas wehmütig auf diese wunderbare Woche zurück. Es war ein einzigartiges Erlebnis, der Nobelpreiszeremonie und den restlichen Anlässen beizuwohnen.  Was ich aber am meisten mitnehme, sind die Freundschaften, die ich geschlossen habe. Die Freundschaften, die Kontinente und Fachgebiete überwinden und auf einem geteilten Drang beruhen, das Universum mit den eigenen Ideen zu erforschen. Ob sich dieser Drang im Studieren von Proteinen, Gehirnkrebs oder Primzahlen ausdrückt, ist zweitrangig.

Obwohl wir uns bloss eine Woche gekannt haben, fühle ich mich sehr verbunden mit diesen ideenreichen Köpfen. Internationale Freunde zu haben ist Segen und Fluch zugleich. Die Idee, in der weiten unbekannten Welt herumzureisen und an sehr vielen Orten vertraute Freunde besuchen zu können, begeistert mich. Jedoch ist klar, dass es sehr schwer ist, sich zu treffen. Aber da wir ähnliche Interessen haben, werden wir an ähnliche Orte gehen und manchmal fallen diese zusammen.  

So gehe ich nächste Woche mit einem Leiter, der ein Austauschsemester an der ETH macht, Mittag essen und wenn alles klappt, treffe ich meinen ungarischen Forschungskollegen bald an einer Mathematikkonferenz!

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