14.04.2026

Freiwilligenarbeit | Weiterbildung

WO-Vorstand arbeitet an Organisationsentwicklung, KI - und macht Musik!

Wie tönen die Olympiaden? Wie umgehen mit KI bei den Olympiadenprüfungen? Und wie den Verband noch besser organisieren? Mit diesen Fragen hat sich der WO-Vorstand am 28. und 29. März 2026 an einer Retraite in Basel beschäftigt. Carole Zermatten, neugewählte Vize-Präsidentin, gibt uns ihre Antworten.
The sound of Science Olympiad: Anna (Philosophie, 1. v. l.), Sebastian (Physik, 2. v.l.), Dana (Linguistik, 3. von rechts) und Jehan (Astronomie, 4. v. l.). beim Jingle-Workshop. Bilder: Geschäftsstelle WO
Der Anlass ermöglichte auch den Austausch zwischen dem WO-Vorstand und der Geschäftsstelle.
Brainstorming für Jingle
Ausklang des ersten Tages des Wochenendes beim Nachtessen.

Beim Teamworkshop mit der Geschäftsstelle hat der Vorstand die 11 Olympiaden-Fächer vertont und einen Jingle aufgenommen, der dann von Silvano Del-Prete vertont wurde. Welchen Ton hast du für dein Fach gefunden und was hat dir am Workshop gefallen?

Carole: Für die Chemie habe ich mit Laborglas gearbeitet, klingenden Bechergläsern und dem Mischen von Reaktanten, was manchmal zu einer leicht explosiven Mischung führt.  Am spannendsten fand ich den Prozess: Wir hatten alle das gleiche Ziel und konnten uns austauschen, gleichzeitig musste jede Person ihren eigenen Ton entwickeln, weil niemand die eigene Olympiade so gut kennt. Genau das spiegelt auch unsere Arbeit im Vorstand wider: Wir arbeiten gemeinsam an übergeordneten Themen, tragen aber gleichzeitig Verantwortung für unseren eigenen Verein.

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Beim zweiten Workshop referierte Thomas Schröter von der Uni Bern zu KI und Lernen. Die Mehrheit der Olympiaden pflegt bei der 1. Runde ergebnisorientierte Prüfungen mit Multiple-Choice. Diese prüfen, ob jemand fachlich kompetent ist und eine Runde weiter kommt. KI macht die Selektion schwieriger: Es kommen Jugendliche weiter, die KI gut nutzen können, aber ggf. weniger Potential mitbringen. Was nimmst du persönlich und für den Verband mit aus der Diskussion?

Die Diskussion hat mir gezeigt, dass es kein Allheilmittel gibt: KI verändert die Art, wie wir Leistung prüfen, aber wir stossen auch an unsere Grenzen. Wichtig ist für mich, dass wir bei der ersten Runde die Hürde bewusst niedrig halten, damit auch junge Menschen teilnehmen können, die einfach neugierig sind und sich ihres eigenen Potenzials noch nicht bewusst sind. Gleichzeitig wollen wir Neugier, Motivation und Lernbereitschaft erkennen und diese in den folgenden Runden gezielt fördern durch Workshops und Mentoring. Die Aufgabe des Verbands ist es, Leidenschaften zu wecken und junge Menschen ihre oft verborgenen Talente entdecken zu lassen, ohne die Fairness und Chancengleichheit zu vernachlässigen. Eine endgültige Lösung haben wir noch nicht, aber wir sind offen, unseren Selektionsprozess weiter zu überdenken und an die heutigen Anforderungen anzupassen.

KI-Workshop für Freiwillige: Diskutiere mit und besuche den Workshop zum Erstellen von Prüfungen/Tests in Zeiten von KI vor der WO-Vereinsversammlung am 30. Mai 2026 in Lausanne. Alle Freiwilligen aller Olympiaden sind herzlich willkommen. Die Anmeldung ist ab Ende April offen (Volunteers-Website => Scrollen bis Events).

 

Beim dritten Workshop ging es um die Organisation des Verbandes. Daraus entstand die Idee, im Vorstand neu mit “Working Groups” zu arbeiten. Welche Gruppen gibt es? Welches sind ihre Aufgaben? Und was versprecht ihr euch davon?

Die Idee von Working Groups kam von mehreren Seiten auf. Wir sind überzeugt, dass es eine gute Möglichkeit ist, die Meinungen möglichst vieler Beteiligter in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Und es hilft uns, der wachsenden Trägheit des grossen Gremiums entgegenzuwirken, die sich strukturell aus den vielen Mitgliedern ergibt. Als Pilotprojekt haben wir die Hauptthemen in drei Gruppen unterteilt: eine Gruppe für das Budget, eine für die Koordination innerhalb des Verbands und eine weitere, die sich Gedanken über die langfristige Gestaltung und Optimierung der Working Groups machen soll. 

Statt dass alle Vorstandsmitglieder sich in allen Themen vertiefen müssen, sollen einige wenige gezielt Ideen und Feedback vom Vorstand und von Freiwilligen sammeln und daraus konkrete Vorschläge erarbeiten. Diese werden dann vor dem Vorstand oder an der Vereinsversammlung präsentiert. So lassen sich Diskussionen bei grossen Versammlungen kurz halten und Abstimmungen vereinfachen, aber es wird trotzdem sichergestellt, dass alle Meinungen und Lösungsansätze berücksichtigt werden.

 

Fachinput von Thomas Schröter zu KI und Prüfungen

 

Gibt es sonst noch etwas rund ums Vorstandswochenende, das du den Volunteers der 11 Olympiaden gerne mitteilen möchtet?

Es war mir eine Freude, mehr Zeit mit den anderen Vorstandsmitgliedern zu verbringen und sie persönlich besser kennenzulernen. Starke Beziehungen sind wichtig, um Denkweisen, Stärken, Schwächen und Interessen zu verstehen und harmonisch zusammenzuarbeiten. Unser Vorstand ist sehr demokratisch organisiert, wirklich wie eine kleine Schweiz: ein Patchwork von Minderheiten, die je nach Thema zusammenkommen oder auseinandergehen, aber gerade daraus entsteht am Ende eine starke Kohäsion. Meine Botschaft an alle Volunteers: Talent bringt Verantwortung mit sich. Übernimmt Aufgaben in der Gesellschaft, es ist eine wunderbare Erfahrung!

 

Carole (rechts) im Gespräch mit Michael (Robotik, 2. v. r.), Lorenz (Biologie, 1. v. l.) und Nicolas (Geschäftsstelle, 2. v. l.)

 

Carole Zermatten ist ehemalige Teilnehmende der Chemie-Olympiade und im Vorstand der Chemie-Olympiade. Zudem profitierte sie von den Förderangeboten der Schweizerischen Studienstiftung und von Schweizer Jugend forscht. Sie ist PhD Studentin an der ETH in Food Structure Engineering.

 

Interview: Mirjam Sager, Co-Geschäftsführerin (m.sager@olympiad.ch)

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